Englisch Vokabeln lernen: was bei Lernenden wirklich funktioniert hat und was nicht
Wer englische Vokabeln nach Listen lernt, kennt das Problem: Am Freitag sitzt noch alles, drei Wochen später ist die Hälfte wieder weg. In Erfahrungsberichten dazu stehen sich meist zwei Lager gegenüber. Die einen halten es für unvermeidlich, sich die ersten paar tausend Wörter stur einzuprägen. Die anderen haben das Auswendiglernen aufgegeben und nehmen neue Wörter nur noch beim Lesen und Schauen mit. Beide Seiten haben gute Argumente, und die spannendsten Berichte stammen von Leuten, die erst den einen Weg gegangen sind und später auf den anderen gewechselt haben.
Auf Papier: zwei Methoden und ihre Grenzen
Das gefaltete Blatt. Eine der am häufigsten gespeicherten Methoden kommt ganz ohne App aus: Man faltet ein Blatt Papier dreimal, schreibt in die erste Spalte die englischen Wörter und trägt in die nächste aus dem Gedächtnis die deutsche Bedeutung ein. Nach dem Korrigieren deckt man die erste Spalte ab, schreibt anhand der Bedeutung wieder das englische Wort auf, korrigiert erneut und arbeitet sich so weiter vor. Vorab hört man sich die Aussprache an. Im beliebtesten Kommentar darunter stand noch eine Ergänzung: Man gibt die Wörter des Tages einer KI, lässt sich daraus einen kurzen Text erstellen und geht die Vokabeln darin ein zweites Mal durch. Auf die Frage, welche von mehreren Bedeutungen man mitlernen solle, rieten andere: am besten alle, jeweils zusammen mit einem Beispielsatz.
Vier Spalten. Nach einem ähnlichen Prinzip ging jemand vor, der damit in knapp zwanzig Minuten rund dreißig Wörter schaffte – statt wie zuvor zwei Wörter in zehn Minuten. Zuerst wird das Wort abgeschrieben und laut gelesen, danach folgen Wortart und Bedeutung aus dem Kopf, anschließend wieder das englische Wort aus dem Gedächtnis, insgesamt in drei Durchgängen. Ein Kommentar mit über hundert Likes hielt allerdings dagegen: Ein Kind habe mit genau dieser Methode nach vier Runden und drei Stunden noch nicht einmal 40 Wörter behalten. Ein anderes Elternteil berichtete wiederum von über zweihundert gelernten Wörtern in einem Monat. Ein und dieselbe Technik schlägt also sehr unterschiedlich an.
Mit Apps: was lange Serien zeigen
Die aufschlussreichsten Zahlen stammen von Lernenden, die ihre Apps über sehr lange Zeiträume täglich genutzt haben.
- 1.022 Tage am Stück, Rechtschreibung erst ab 7.000 Wörtern. Ein Nutzer teilte die Statistik seiner App: 8.880 von 10.001 Wörtern aus einem SAT-Wortschatzbuch, insgesamt 20.948 gelernte Wörter und an einem einzigen Tag 534 Wörter in 100 Minuten. Sein Tipp: Zu Beginn sollte man die Rechtschreibprüfung ausschalten, sich bei häufigen Wörtern nur die Hauptbedeutung zum Wiedererkennen merken und das Buch in Hunderterblöcken mehrfach durchgehen. Erst beim fünften oder sechsten Durchlauf, wenn die tägliche Routine keine Überwindung mehr kostet, nimmt man die Schreibweise dazu. Die Reihenfolge lautet also: erst wiedererkennen, dann behalten, dann selbst aktiv nutzen.
- Abbruch nach 414 Tagen. Jemand anderes fing morgens in der U-Bahn mit zehn Minuten pro Tag an. Mit der Zeit häuften sich die fälligen Wiederholungen so stark an, dass zehn Minuten längst nicht mehr reichten. Selbst bei nur noch zehn neuen Wörtern täglich dauerte die Sitzung fast eine halbe Stunde. Den Ausschlag zum Aufhören gab schließlich ein Schlüsselerlebnis: Ein Wort, das in der App längst als fertig gelernt galt, erkannte die Person in einem normalen Text trotzdem nicht wieder. Inzwischen liest sie Webseiten mit einer zweisprachigen Browser-Erweiterung, schlägt Unbekanntes kurz nach und verlässt sich darauf, dass wichtige Wörter durch häufiges Auftauchen von allein hängen bleiben.
- Abbruch nach 299 Tagen. Nach 4.416 von 5.563 Wörtern einer Prüfungsliste – bei einem Tagespensum von 150 neuen Wörtern und 300 Wiederholungen – kehrte eine weitere Person der App den Rücken. Der Grund: Ähnliche Wörter, die sie ohnehin schon verwechselte, gerieten mit jeder Runde noch stärker durcheinander, und in echten Prüfungstexten erkannte sie oft nicht einmal die zentralen Begriffe. Ihr neuer Ansatz: den Kernwortschatz einmal gründlich von Hand durcharbeiten. Ein Hinweis aus den Kommentaren dazu lautete, erst eine gemischte und danach eine alphabetische Liste durchzugehen, um ähnlich geschriebene Wörter sauber voneinander zu trennen.
Ein längerer Beitrag zum Thema ergänzt noch zwei Grundregeln für Vokabel-Apps. Erstens: Es bringt mehr, an einem Tag 200 Wörter kurz durchzugehen als an vier Tagen jeweils 50, weil viele schnelle Kontakte besser wirken als wenige langwierige. Zweitens: Man sollte auf Multiple-Choice-Abfragen verzichten. Durch das Ausschlussprinzip tippt man oft richtig und schätzt den eigenen Stand zu hoch ein. Sinnvoller ist eine Ansicht, die nur das Wort zeigt und bei der Sie selbst einschätzen müssen, ob Sie die Bedeutung wirklich parat haben.
Wie schnell es gehen kann
Einige konkrete Zahlen aus Erfahrungsberichten, genau so, wie sie dort dokumentiert wurden:
- Von gut 8.700 auf 10.000 Wörter in weniger als 40 Stunden – mithilfe einer Liste der 20.000 häufigsten Wörter (COCA), durchgearbeitet bis Platz 8.600. In der Woche des Berichts kamen 15 Stunden und 10 Minuten zusammen, davon 220 Minuten für Wiederholungen und 690 Minuten für neue Vokabeln.
- Von rund 5.000 auf 25.000 Wörter innerhalb einiger Monate, festgehalten in einem ausführlichen Bericht. Erst danach griffen genau jene Methoden, die zuvor nicht funktioniert hatten, wie das Erschließen über Wortstämme oder das Lesen mit Wörterbuch. Die dort genannten Schwellenwerte: Ab 8.000 Wörtern bringen Wortstämme einen echten Nutzen, ab 20.000 liest man Romane flüssig und muss kaum noch gesondert Vokabeln lernen.
- Eine Person, die Japanisch lernte, arbeitete mit Anki in 26 Tagen reiner Lernzeit (624 Stunden) den gesamten Wortschatz der Stufen N5 bis N1 durch – fast 15.000 Wörter – und beherrschte davon nach eigener Einschätzung acht bis neun Zehntel. Anfangs kamen 30 bis 40 neue Wörter pro Tag hinzu, später 60, was an manchen Tagen vier bis fünf Stunden in Anspruch nahm. Alle Bekannten, denen sie Anki weiterempfahl, brachen ab, weil ihnen der Zeitaufwand zu hoch war.
Ein Hinweis zieht sich dabei durch fast alle Berichte: Zwischen 10.000 und 20.000 Wörtern klafft eine große Lücke. Wer seinen Wortschatz monatlich testete, hing selbst nach mehreren Durchgängen von Vokabelbüchern für TEM-8, IELTS und GRE oft monatelang im Bereich von 16.000 bis 17.000 Wörtern fest.
Im Kontext: Wörter, die beim Lesen bleiben
Wer das reine Auswendiglernen hinter sich gelassen hat, berichtet meist von ähnlichen Beobachtungen. Jemand, der täglich Englisch liest und hört, erzählte von Wörtern, die im Text sieben- oder achtmal auftauchten, ohne je nachgeschlagen zu werden – bis ihre Bedeutung in einem Video plötzlich von selbst klar wurde. Ein anderer Beitrag bringt eine verbreitete Erfahrung auf den Punkt: Ein schwieriges Wort, dem man in fünf verschiedenen Zusammenhängen begegnet, bleibt im Kopf; über eine App oder ein Vokabelbuch braucht es dafür acht bis zehn Wiederholungen.
Eine gute Verbindung beider Ansätze beschreibt jemand, der seinen ersten englischen Roman in 15 Tagen durchgelesen hat: Während des Lesens werden unbekannte Wörter lediglich unterstrichen. Abends sucht man sich fünf bis zehn nützliche Begriffe heraus, schreibt sie samt dem Originalsatz aus dem Buch ab und schaut sie sich am nächsten Tag, nach drei Tagen, nach einer Woche sowie nach zwei Wochen noch einmal an. Auf diese Weise lernt man systematisch, beschränkt sich aber auf Vokabeln, denen man im Text tatsächlich begegnet ist.
Ein Plan, der beide Lager verbindet
| Ihr Stand | Was Lernende empfehlen |
|---|---|
| Unter etwa 3.500 Wörtern | Häufige Wörter gezielt lernen, per App oder auf Papier, die Rechtschreibung erst später dazunehmen |
| 3.500 bis 8.000 | Leichte Bücher lesen, täglich fünf bis zehn Wörter zusammen mit dem jeweiligen Satz festhalten |
| 8.000 bis 10.000 | Romane, Serien, Nachrichten; ab hier helfen Wortstämme merklich weiter |
| Über 10.000 | Vielseitig lesen und schauen; die verbleibenden Wörter sind selten und begegnen Ihnen fast nur noch im natürlichen Zusammenhang |
Die Schwelle von 3.500 Wörtern geht auf einen Kommentar unter dem Bericht über die 414-Tage-Serie zurück: So viele Grundvokabeln müsse man sich gezielt aneignen, alles Weitere ergebe sich anschließend über das Lesen. Andere ziehen diese Grenze eher bei 6.000 Wörtern.
Wo Solaread hilft
Solaread verknüpft das Lesen direkt mit der Wortschatzarbeit. Wenn Sie ein englisches Buch lesen, steht hinter Wörtern, die Sie wahrscheinlich noch nicht kennen, eine kurze deutsche Übersetzung in Klammern. Bei jedem anderen Wort genügt ein Doppelklick, um die Übersetzung einzublenden, und über „Zum Wortschatz hinzufügen“ speichern Sie den Begriff zusammen mit dem jeweiligen Satz aus dem Buch in Ihrem Vokabelheft. Wörter, die Sie als bekannt markieren, werden künftig nicht mehr übersetzt, sodass sich die Lesehilfe laufend an Ihren Kenntnisstand anpasst.
Häufige Fragen
Wie viele englische Vokabeln sollte ich am Tag lernen?
In Erfahrungsberichten ist meist von 10 bis 150 neuen Wörtern pro Tag die Rede; entscheidend ist vor allem, dass Ihnen die fälligen Wiederholungen nicht über den Kopf wachsen.
Soll ich Vokabeln pauken oder beim Lesen lernen?
Viele eignen sich die ersten 3.500 bis 6.000 häufigen Wörter gezielt an und bauen ihren Wortschatz danach hauptsächlich über das Lesen aus.
Warum vergesse ich Vokabeln trotz App?
Ein isoliertes Wort aus der App wirkt in einem echten Satz oft fremd; es hilft, neue Wörter direkt zusammen mit dem Satz zu speichern, in dem sie vorkamen.